15 Teilnehmende finden Raum für ihre persönlichen Trauergeschichten, Gemeinschaft und Austausch

Die diesjährige Trauergruppe der Netzwerkkirche Korschenbroich ist gestartet. 15 Teilnehmende haben sich auf den gemeinsamen Weg gemacht, um ihrer Trauer Raum zu geben, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und in einer geschützten Gemeinschaft Unterstützung zu erfahren.
Wie bereits im vergangenen Jahr war die Gruppe schon frühzeitig ausgebucht. Das große Interesse zeigt, wie wichtig Angebote sind, in denen Menschen mit ihrer Trauer nicht allein bleiben. Trauer braucht Zeit – und sie braucht Menschen, die zuhören, mitfühlen und den individuellen Weg respektieren.
Die persönliche Trauergeschichte steht im Mittelpunkt
Im Zentrum der Treffen stehen die persönlichen „Trauergeschichten“ der Teilnehmenden. Jeder Mensch trauert anders. Erfahrungen, Beziehungen, Erinnerungen und Lebenssituationen sind individuell. Deshalb gibt es in der Gruppe keinen festen Ablauf nach dem Prinzip „Schema F“.
Die Gruppenleitung – Gemeindereferentin Christina Kortmann aus Mönchengladbach und Christoph Sochart – arbeitet bedarfsorientiert mit den Teilnehmenden. Die Themen entstehen aus dem, was die Menschen mitbringen und was sie aktuell bewegt. Dabei können ganz unterschiedliche Fragen und Gefühle zur Sprache kommen: der Umgang mit Verlust und Erinnerungen, Veränderungen im Alltag, Einsamkeit, Schuldgefühle, Wut, Dankbarkeit oder die Suche nach einem neuen persönlichen Weg.
„Wir möchten den Teilnehmenden Raum geben für das, was sie gerade beschäftigt. Nicht jede Trauer braucht zur gleichen Zeit dasselbe. Deshalb schauen wir gemeinsam, welche Themen jeweils wichtig sind und was die Gruppe im Moment braucht“, beschreibt die Gruppenleitung den Ansatz.
Gemeinschaft, die trägt
Neben der individuellen Trauerarbeit spielt die Gemeinschaft eine wichtige Rolle. Viele Trauernde erleben, dass ihr Umfeld nach einiger Zeit erwartet, wieder zum Alltag zurückzukehren. In der Trauergruppe darf dagegen alles da sein, was zur eigenen Situation gehört – auch dann, wenn der Verlust bereits länger zurückliegt.
Der Austausch mit anderen kann entlastend wirken. Zu erfahren, dass bestimmte Gefühle und Erfahrungen nicht ungewöhnlich sind, kann Mut machen. Ebenso wertvoll ist die Erfahrung, verstanden zu werden, ohne die eigene Geschichte ausführlich erklären zu müssen.
Die Gruppe bietet dabei keinen Raum für schnelle Antworten oder fertige Lösungen. Im Vordergrund stehen Begegnung, Zuhören und ein achtsamer Umgang miteinander. Die Teilnehmenden können selbst entscheiden, was sie erzählen möchten und in welchem Tempo sie sich öffnen.
Begleitung durch die Weihnachtszeit
Die Trauerzeit rund um Weihnachten wird für viele Menschen als besonders schwer erlebt. Vertraute Rituale, Familienfeiern und Erinnerungen können den Verlust noch spürbarer machen. Gleichzeitig fehlen oft gerade dann Menschen, mit denen die eigenen Gefühle geteilt werden können.
Für diese herausfordernde Zeit erhält die Gruppe ein zusätzliches Begleitheft. Es soll Anregungen, Texte und Impulse geben und die Teilnehmenden durch die Wochen rund um Weihnachten begleiten. Das Heft kann individuell genutzt werden und bietet Raum für Gedanken, Erinnerungen und persönliche Notizen.
Treffen bis Mitte Februar 2027
Die Trauergruppe trifft sich bis Mitte Februar 2027. In dieser Zeit soll ein verlässlicher Rahmen entstehen, in dem die Teilnehmenden miteinander im Gespräch bleiben, persönliche Themen weiterbearbeiten und ihren jeweils eigenen Weg durch die Trauer gehen können.
Getragen und gestaltet wird die Trauergruppe von der Netzwerkkirche Korschenbroich, der Kirchengemeinde Maria von Magdala MG-Ost der katholischen Kirche sowie der evangelischen Friedenskirchengemeinde Mönchengladbach.
Die Veranstalterinnen und Veranstalter verstehen die Trauergruppe als ökumenisches Angebot, das Menschen unabhängig von ihrer persönlichen Situation willkommen heißt. Gemeinsam entsteht ein Raum, in dem Trauer nicht verdrängt werden muss, sondern ihren Platz behalten darf.
Denn Trauer lässt sich nicht abkürzen. Aber sie lässt sich gemeinsam tragen.