Wo hauptamtliche Strukturen kleiner werden, wächst die Bedeutung des Ehrenamts

Kürzlich sprach Franz Meurer, Pfarrer in Köln, in der Sendung „Kirche in WDR 4“ über seinen Abschied nach 34 Jahren als Pastor. Mit 75 ist Schluss – nicht mit dem Engagement, aber mit dem Amt. Meurer zieht in ein Seniorenheim, bleibt Priester und wird weiterhin zu den Menschen sprechen.
Sein Rückblick war vor allem eines: ein Dank an jene, die Kirche nicht nur verwalten, sondern mit Leben füllen. An Klaus Jung, der 33 Jahre lang das Technikteam der Kinderstadt leitete. An Helga Gau, die seit 34 Jahren die Kinderkleiderkammer organisiert und über viele Jahre für Hunderte Menschen gekocht hat. An Franz Hugo Beicht und Paul Grziwa, die als Schreiner jahrzehntelang für Kirchengemeinde, Schulen, Kitas und Initiativen im Veedel gearbeitet haben. Und an die vielen anderen, deren Namen vielleicht nicht überall bekannt sind, deren Arbeit aber unübersehbar bleibt.
Meurers Botschaft reicht über Köln hinaus: Wo hauptamtliche Strukturen kleiner werden, wächst die Bedeutung des Ehrenamts. Kirche bleibt dort lebendig, wo Menschen Verantwortung übernehmen – bei Gottesdiensten, in der Trauerbegleitung, bei ökumenischen Projekten oder in der Arbeit mit Kindern und Familien.
„Wer es macht, hat die Macht“, sagt Meurer. Ein Satz, der nicht nach Macht klingt, sondern nach Ermutigung. Der Schlüssel, den ein Pfarrer abgibt, ist eben nicht das Ende kirchlicher Verantwortung. Er wird weitergereicht – an Menschen, die anpacken, gestalten und ihre Gemeinde tragen.
In der neuen größeren Gemeindeeinheit sind bereits 41 Wortgottesfeierleiterinnen ausgebildet worden. Christinnen bereiten sich auf Beerdigungen vor, eine Gruppe für ökumenische Gottesdienste ist gestartet. Das ist kein Rückzug der Kirche. Es ist ihre Verwandlung.
Franz Meurer geht mit Zuversicht in den Ruhestand. Vielleicht auch deshalb, weil er weiß: Eine Kirche, in der viele mitmachen, ist nicht ärmer. Sie ist näher bei den Menschen.