Zu Gast in St. Marien Pesch: Ortsausschuss Heilige Familie informiert sich über die Netzwerkkirche

Ein intensiver Austausch über Kirchenfenster, Milieus, gesellschaftliche Veränderungen und neue Formen von Kirche
Ein interessierter Besuch aus Düsseldorf-Stockum war am Samstag in St. Marien Pesch zu Gast: Der Ortsausschuss Heilige Familie Düsseldorf-Stockum unter der Leitung von Klaus-Peter Vogel besuchte die Kirche und informierte sich ausführlich über die Arbeit und die Entstehungsgeschichte der Netzwerkkirche.
Auf dem Programm standen dabei zwei Schwerpunkte: eine Führung durch die Kirche mit einem besonderen Blick auf die außergewöhnlichen Kirchenfenster von Will Horsten aus dem Jahr 1978 sowie eine ausführliche Einführung in das Konzept und die Arbeitsweise der Netzwerkkirche.
Die Kirchenfenster von Will Horsten
Den Auftakt bildete eine Kirchenführung. Im Mittelpunkt standen dabei insbesondere die Kirchenfenster, die der Künstler Will Horsten 1978 für St. Marien Pesch geschaffen hat.
Die Fenster prägen den Kirchenraum in besonderer Weise und eröffnen einen eigenen Zugang zur Geschichte und zur Atmosphäre des Gotteshauses. Die Besucherinnen und Besucher aus Düsseldorf-Stockum erhielten dabei nicht nur Informationen zu den Fenstern und ihrer Entstehung, sondern konnten den Kirchenraum und seine besondere Gestaltung unmittelbar auf sich wirken lassen.
Gerade die Verbindung von Architektur, Kunst und Liturgie macht St. Marien Pesch zu einem besonderen Ort und bot zugleich einen guten Ausgangspunkt für den anschließenden Blick auf die Frage, wie Kirche heute Menschen erreichen und mit ihnen in Kontakt kommen kann.
Wie die Idee der Netzwerkkirche entstanden ist
Im zweiten Teil des Besuchs ging es ausführlich um die Entstehungsgeschichte der Netzwerkkirche.
Dabei wurde deutlich, dass die Netzwerkkirche nicht als fertiges Konzept entstanden ist. Vielmehr war ihr ein längerer Entwicklungsprozess vorausgegangen. Einen wichtigen Ausgangspunkt bildeten die Gründungs-Workshops im Jahr 2010.
Damals stand die grundlegende Frage im Raum: Wie kann Kirche unter den Bedingungen einer sich verändernden Gesellschaft Menschen erreichen, die mit den klassischen kirchlichen Angeboten kaum oder gar nicht mehr in Berührung kommen?
Um diese Frage nicht allein aus der Perspektive der Kirche zu beantworten, wurden unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen und Lebenswelten in den Blick genommen.
Der Blick auf die Sinus-Milieus
Eine wichtige Grundlage bildete dabei die Auseinandersetzung mit den Sinus-Milieus. Sie ermöglichen einen differenzierten Blick auf unterschiedliche Lebenswelten, Wertvorstellungen, Einstellungen und soziale Orientierungen innerhalb der Gesellschaft.
Für die Entwicklung der Netzwerkkirche war diese Perspektive von besonderer Bedeutung: Nicht die Frage „Was wollen wir als Kirche anbieten?“ sollte allein im Mittelpunkt stehen, sondern vielmehr die Frage:
Was bewegt Menschen? Was erwarten sie? Was suchen sie – und welche Berührungspunkte können zwischen ihren Lebenswelten und Kirche entstehen?
In diesem Zusammenhang wurden auch sogenannte „Experten-Interviews“ geführt. Im Fokus standen dabei unter anderem die gesellschaftlichen Cluster „Etablierte“ und „Postmoderne“.
Die Gespräche ermöglichten einen Perspektivwechsel: Die Menschen wurden nicht primär danach gefragt, was sie von Kirche bereits kennen, sondern danach, was sie in ihrem Leben beschäftigt, welche Werte für sie wichtig sind, welche Erwartungen sie an Gemeinschaft haben und welche Rolle Religion und Kirche in ihrer Lebenswelt spielen könnten.
Aus Erkenntnissen werden Qualitätsmerkmale
Aus diesen unterschiedlichen Vorarbeiten entwickelte sich Schritt für Schritt das Konzept der Netzwerkkirche.
Die Ergebnisse der Workshops, der Beschäftigung mit den gesellschaftlichen Milieus und der Experten-Interviews wurden ausgewertet und in konkrete Qualitätsmerkmale übersetzt.
Diese Qualitätsmerkmale bilden bis heute eine wichtige Grundlage für die Arbeit der Netzwerkkirche. Sie beschreiben, welche Haltung, welche Qualität und welche Form von Begegnung Angebote der Netzwerkkirche auszeichnen sollen.
Dabei geht es letztlich um eine zentrale Veränderung der Perspektive: Kirche versteht sich nicht ausschließlich als Anbieter fertiger Angebote, sondern als Netzwerk, das Menschen, Ideen, Kompetenzen und unterschiedliche Lebenswelten miteinander verbindet.
Fünf Botschaften als Orientierung
Ein weiterer wichtiger Baustein sind die fünf Botschaften der Netzwerkkirche.
Sie geben der Arbeit eine gemeinsame inhaltliche und kommunikative Orientierung. Die Botschaften sind aus dem beschriebenen Entwicklungsprozess hervorgegangen und helfen dabei, die Grundidee der Netzwerkkirche verständlich und erlebbar zu machen.
Dabei geht es nicht nur um Kommunikation im klassischen Sinne. Die Botschaften spiegeln vielmehr eine Haltung wider: Menschen sollen sich angesprochen, willkommen und ernst genommen fühlen. Kirche soll Räume eröffnen, in denen Begegnung möglich wird und in denen Menschen mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Lebensentwürfen ihren Platz finden können.
Von der Theorie in die Praxis: Die Veranstaltungsformate
Besonders spannend war für die Besucherinnen und Besucher die Frage, wie aus den konzeptionellen Überlegungen schließlich konkrete Veranstaltungsformate entstanden sind.
Denn die Ergebnisse der Workshops und Interviews sollten nicht in einem Konzeptpapier verbleiben. Sie sollten praktisch umgesetzt und für Menschen erfahrbar werden.
So entwickelte die Netzwerkkirche unterschiedliche Veranstaltungsformate, die bewusst verschiedene Interessen und Lebenswelten ansprechen. Entscheidend ist dabei immer die Verbindung von Begegnung, Inhalt, Gemeinschaft und persönlicher Ansprache.
Damit wird die Netzwerkkirche zu einem Ort, an dem Menschen nicht erst eine bestimmte kirchliche Nähe mitbringen müssen, um willkommen zu sein. Vielmehr können Veranstaltungen und Begegnungsangebote einen ersten Kontakt ermöglichen – manchmal ganz selbstverständlich und ohne große Schwelle.
Ein intensiver Austausch
Der Besuch des Ortsausschusses Heilige Familie machte deutlich, wie groß das Interesse an den Erfahrungen und dem Entwicklungsweg der Netzwerkkirche ist.
Im Mittelpunkt stand deshalb nicht nur die Vermittlung von Informationen. Es ging mittelbar auch immer um die Herausforderungen, vor denen Kirche heute steht: über gesellschaftliche Veränderungen, unterschiedliche Lebenswelten, neue Formen der Kommunikation und die Frage, wie Kirche auch künftig Menschen erreichen und für Begegnung begeistern kann.
Dabei zeigte sich auch, dass die Erfahrungen der Netzwerkkirche Impulse für andere Gemeinden und pastorale Räume geben können. Der Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen, die bewusste Orientierung an den Lebenswelten von Menschen und die Übersetzung dieser Erkenntnisse in konkrete Angebote sind Themen, die viele kirchliche Verantwortliche beschäftigen.
Danke für den Besuch!
Der Ortsausschuss Heilige Familie Düsseldorf-Stockum hat sich mit großem Interesse und viel Offenheit auf die Geschichte und das Konzept der Netzwerkkirche eingelassen.
Herzlichen Dank an Klaus-Peter Vogel und die Mitglieder des Ortsausschusses für den Besuch, das intensive Interesse und den offenen Austausch!
Begegnungen wie diese sind für die Netzwerkkirche besonders wertvoll: Sie ermöglichen es, Erfahrungen weiterzugeben, voneinander zu lernen und gemeinsam darüber nachzudenken, wie Kirche in einer sich verändernden Gesellschaft präsent, offen und nah bei den Menschen bleiben kann.
St. Marien Pesch freut sich auf weitere Begegnungen und den gemeinsamen Dialog.